Bei der Universität zu Lübeck, sagte Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan am 8. Juli 2010, „geht es ja nicht um irgend eine Klitsche, sondern um eine Hochschule von großer Qualität, die man nicht einfach zumachen kann.“ Genau darauf aber wären die Pläne der schleswig-holsteinischen Landesregierung im Frühsommer 2010 hinausgelaufen. Für sieben Wochen schienen sie kaum noch abwendbar. Die Universität Lübeck kämpfte um ihr Überleben, und Lübeck kämpfte für seine Uni.
Was damals „in der alten Hansestadt geschah, ist wohl einmalig in der deutschen Stadtgeschichte“, schreibt Björn Engholm im Vorwort zu dem Buch „Eine Stadt sieht gelb – Wie Lübeck seine Uni rettet“. Auf ca. 200 Seiten und mit über 160 Fotos dokumentiert das Buch die unvergessenen Geschehnisse und aufwühlenden Erlebnisse dieser Wochen. Autorin ist die Biologin und Wissenschaftsjournalistin Dr. Julia Offe aus Hamburg. Das Buch ist im Verlag der Buchhandlung Weiland erschienen und kostet 9,95 Euro (ISBN 978-3-87890-165-5).
„Das traf uns mitten ins Herz“ ist in dem Buch „Eine Stadt sieht gelb“ der Beitrag von Prof. Dominiak überschrieben. Neben der ausführlichen Schilderung der Aktionen „Lübeck kämpft für seine Uni“ kommen viele der Beteiligten in Interviews und Zitaten unmittelbar zu Wort. Eingehend werden auch die Vorgeschichte und die Hintergründe der Ereignisse von 2010 dargestellt: Das Votum von 300 Kieler Professoren für eine Schließung der Lübecker Fakultät im März 2003, Lübecks erster Kampf um seine Uni im Herbst 2005, als die Fusion zu einer Landesuniversität abgewehrt wurde, und die unrühmlichen Vorlagen für die Schließungspläne von 2010, die bei einem Geheimtreffen an der Kieler Förde im Januar 2009 unterbreitet wurden.
Bei entscheidenden Geschehnissen sind in dem Buch so genannte QR-Codes gesetzt, also eine maschinenlesbare quadratische Punkt-Matrix, wie man sie zunehmend für die Verlinkung auf Internetseiten verwendet. Mit einem internetfähigen Handy oder einem Tablet-Computer kann man sich über diese Codes direkt Videos ansehen, die im Sommer 2010 entstanden sind. Für diejenigen, die diesen Stand der Technik noch nicht nutzen, ist die Internetadresse der Filme daneben auch ausgedruckt.
Aber es werden in dem Buch ebenso die Auswirkungen des erfolgreichen Kampfes für die weitere Entwicklung der Universität und für das Verhältnis von Stadt und Universität beleuchtet. In einem Nachwort entwickeln ein Student und ein Professor der Universität, Christoph Zabel und Prof. Dr. Jürgen Westermann, ihre „Lübecker Lehren“. Sie plädieren - gegen alle Politikverdrossenheit - für ein neues, vertrauensvolles und konstruktives Verhältnis zwischen verantwortungsbewussten Politikern und mündigen Bürgern auf gleicher Augenhöhe.
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Cedric Carl
11 Monat(e) zurück
Weiter so, Lübeck!